Interview: „Wir bieten echte Mehrwerte für die Musik-Community“
Sie wollen sich bei MusikWoche selbst nicht so wichtig nehmen, verrät uns Verleger Carsten Stricker im Interview. Man vermutet dabei ein Augenzwinkern. Denn gleichzeitig will das Branchenmagazin echte Mehrwerte für die Profis der Musik-Community liefern. Etwas mehr als halbes Jahr nach seinem Antritt als Verleger haben wir mit Stricker darüber gesprochen, wie diese Rechnung bei MusikWoche aufgeht – und was die Community künftig noch erwarten kann.
GVL: Du warst MusikWoche-Abonnent der ersten Stunde und kennst das Magazin seit dessen Gründung. Was willst du als neuer Verleger unbedingt bewahren und was verändern?
Carsten Stricker: MusikWoche ist eine Institution und begleitet unsere Branche schon seit über 33 Jahren als zuverlässige Partnerin. Nur deshalb konnte das Medium die letzten schwierigen Jahre in fremdverschuldeter Insolvenz überstehen und das zeigt, welche Stärke hier liegt. Eine kompetente, erfahrene Redaktion, aber eben auch junge Mitarbeiter*innen, dazu viel journalistischer Ehrgeiz und gutes Handwerk – wir haben hier ein einzigartiges Netzwerk. Das alles sind natürlich Assets, auf denen wir auch in den nächsten Jahren aufbauen werden.
Aber die Zeiten ändern sich rapide und daher geht es für uns darum, uns weiterzuentwickeln, sowohl was die redaktionellen Formate als auch die Usability und Ausspielungen angeht. Es geht uns darum, einen Mehrwert für die Community unserer Leser*innen zu schaffen, indem wir relevant bleiben und die Paradigmenwechsel unserer Zeit adäquat begleiten, journalistisch aufbereiten und kommentieren.
Mit Formaten wie dem kürzlich stattgefundenen Berliner „Roundtable: Macht. Musik.“ und der neuen Reihe „Jungprofis“ im Heft berichtet MusikWoche nicht nur über die Branche, sondern schafft selbst Räume für Austausch und Vernetzung. Will MusikWoche damit künftig stärker selbst zur Akteurin in der Branche werden und wo liegen für dich die Grenzen dieser Rolle?
Gute Frage. Die beiden genannten Beispiele „Jungprofis“ und „Roundtable“ zeigen schon ziemlich die Richtung auf. Mit den Jungprofis richten wir den Scheinwerfer auf jüngere Akteur*innen unserer Branche, die gerade im Begriff sind, Karriere zu machen und die die Zukunft unserer Industrie gestalten werden. Der Blick geht also nach vorne und zeigt nicht immer nur die etablierten Player. Im Roundtable-Format, das eigentlich ein Oldie ist und das wir in diesem Jahr wieder aufgelegt haben, geht es darum, dass sich Akteure in einem journalistisch begleiteten Safe Space zu kontroversen Themen austauschen, ohne Social-Media-Gedöns, Livestream oder Podcast-Gelaber. Deep Talk, gut recherchiert und hoffentlich mit echtem Mehrwert für alle Beteiligten. Dieser Blick geht in die Tiefe.
Naturgemäß ist und war jedes Medium auch immer ein Akteur. Wir wollen uns ja nicht so wichtig nehmen, denken aber, dass wir – bei aller Bescheidenheit – der professionellen Musik-Community echte Mehrwerte bieten können. Diese Verantwortung wollen wir in Zukunft noch stärker wahrnehmen. Marketing und Media Buying Budgets sind schmaler geworden. Investitionen hier finden nur noch statt, wenn die Nutzer*innen auch unmittelbar etwas davon haben. Dafür wollen wir sorgen.
Wie muss sich ein etabliertes Branchenmedium verändern, um auch für eine neue Generation von Musikschaffenden und Branchenprofis relevant zu sein?
Jedes Medium, muss sich permanent ändern. Das gilt nicht nur für Branchenmedien. Wir haben den Vorteil, dass wir unsere Zielgruppe sehr genau kennen, gut vernetzt sind und wissen, welche Bedarfslagen – oder sagen wir ruhig mal Probleme – es gibt. Darauf wollen und müssen wir stärker eingehen. Es geht nicht mehr um den Abdruck irgendwelcher Pressemitteilungen, Börsenwerte oder Katalogverkäufe. Davon haben nur die wenigsten etwas. Wir versuchen, mit unseren Leser*innen und Kund*innen in einen aktiven Dialog zu treten und herauszufinden, wo der Schuh drückt, und dann versuchen wir, Lösungen zu finden, miteinander zu sprechen und brancheninterne Dialoge anzustoßen – gerne auch kontrovers. Sprechen ist gerade heutzutage wichtig.

