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5 Fragen an Ina Keßler und Tina Sikorski: "Wir haben Partner, die mit uns und viel Kraft am gleichen Strang ziehen"

Die Initiative Musik fördert die Musikwirtschaft in Deutschland in ihren Schwerpunkten Pop- und Rockmusik sowie Jazz. Die GVL ist Hauptgesellschafterin der Initiative Musik. Wir sprachen mit den beiden Geschäftsführerinnen Ina Keßler und Tina Sikorski über ihr positives Fazit nach einem Jahr Doppelspitze und über die jüngsten Entwicklungen im Bereich Kulturförderung.

 

GVL: Vor einem Jahr habt Ihr beide als Doppelspitze angefangen – in dieser Zeit ist viel Aufregendes bei der Initiative Musik passiert. Was ist euer Fazit nach dem ersten gemeinsamen Jahr?

 

Geschäftsführerinnen Ina Keßler und Tina Sikorski von der Initiative Musik
Ina Keßler und Tina Sikorski sind die Geschäftsführerinnen der Initiative Musik

Ina Keßler: Das Jahr 2020 war für die Initiative Musik ein Wachstumsjahr gleich in zwei Richtungen: Im Sommer 2020 wurde entschieden, dass wir wesentliche Teilprogramme des BKM Rettungspaketes für die Musikbranche abwickeln werden. Gleichzeitig konnten wir mit der Verdopplung der Führungsspitze das Kerngeschäft der Initiative Musik z.B. im Bereich Awards weiter ausbauen. Der Sprung während der Corona-Zeit von 20 auf 60 Mitarbeiter*innen bei einer Verzehnfachung der Fördermittel wäre sonst gar nicht möglich gewesen. 

Tina Sikorski: Um dieses Wachstum zu stemmen, mussten die internen Strukturen gestärkt werden, indem wir z.B. die Verwaltung als eigenständigen Bereich und wichtiges Rückgrat der Initiative Musik auf- und ausgebaut haben. Ein weiteres Mammutprojekt war die Premiere des Deutschen Jazzpreises, kurz gefolgt von der APPLAUS-Preisverleihung – und das alles mit einem komplett neuen Team für unsere Awards sowie permanenter Planungsunsicherheit aufgrund der Pandemie. Das war für alle ein Sprung ins kalte Wasser und verlangte starke Nerven. Dazu gab es diverse Nebenprojekte wie unser Hilfsprogramm für Musikschaffende, wofür uns u.a. TikTok, Teufel und zahlreiche private Spender*innen großzügig unterstützt haben. Mit dem ZDF konnten wir eine Kooperation realisieren, in der zwölf beeindruckende Dokus unter dem Titel Stay Live zur Lage der Musiker*innen und Musikclubs in der Corona-Zeit veröffentlicht wurden. Außerdem konnten wir gemeinsam mit der Google Zukunftswerkstatt und YouTube die Workshop-Reihe ReBoot Live – ein Weiterbildungsangebot für die Livemusikbranche – auf den Weg bringen. Ich denke, wir haben in den letzten Monaten wahnsinnig viel geschafft und auf den Weg gebracht. Aber es gibt definitiv immer noch viel zu tun, viele Bereiche müssen weiterentwickelt werden. Dabei hilft die gute Zusammenarbeit zwischen Ina und mir sehr. 

Seit Mitte 2020 ist NEUSTART KULTUR in aller Munde, die Initiative Musik spielt hier eine maßgebliche Rolle. Was hat die Initiative Musik hier in den vergangenen Monaten geschafft?

Ina Keßler: Wir haben seit August 2020 die Abwicklung für vier Teilprogramme aufgesetzt, ca. 850 Projekte für musikalische Liveerlebnisse (Clubs, Veranstaltungen, Festival) von Rock bis Klassik finanziell unterstützt und in bislang vier Förderrunden über 1.200 Musiker*innen gefördert. Wir haben ca. 40 Projektberater*innen ausgebildet, die Geförderten und Abgelehnten in dieser Zeit bestmöglich beraten, betreut und ihnen zugehört. Wir haben gelernt mit dem Zuwendungsrecht korrekt und doch kreativ wie anwendungsorientiert umzugehen. Am Ende des Tages konnte uns das nur gelingen, weil wir ein hochmotiviertes Team haben, Netzwerkpartner, die uns zur Seite stehen und Geldgeber, die mit uns und viel Kraft am gleichen Strang ziehen.

Welche Rolle spielt die GVL als Gesellschafterin auf diesem Weg?

Ina Keßler: Die engagierte Unterstützung der GVL ist für uns ganz wichtig, denn sie supportet uns als Gesellschafterin ja seit mittlerweile 14 Jahren – und das eben nicht nur finanziell. Ohne diese wunderbare Zusammenarbeit mit der GVL wäre die großartige Entwicklung der Initiative Musik undenkbar. Und wir freuen uns sehr, dass die GVL jetzt auch Mittel aus NEUSTART KULTUR für Stipendien ausgibt. Hier können ausnahmsweise wir der GVL mit Rat und Tat zur Seite stehen – wie sonst ja eigentlich immer umgekehrt. 

Der Deutsche Jazzpreis hat im Juni seine Premiere gefeiert, im gleichen Monat fand der APPLAUS statt. Was ist das Resümee der Initiative Musik zu diesen Highlights in der Veranstaltungsagenda 2021?

Tina Sikorski: Die beiden Awards in so kurzer Zeit zu realisieren war definitiv eine besondere Herausforderung, zum einen aufgrund des kurzen zeitlichen Vorlaufs und zum anderen, weil das komplette Team neu aufgestellt werden musste Für den APPLAUS konnten wir immerhin die Erfahrungen der Vorjahre nutzen. Aber auch hier gab es viel Neues wie bspw. den Sonder-APPLAUS, der kreative Formate im Umgang mit der Pandemie ehrt. Der Deutsche Jazzpreis war eine besondere Reise, die allen Beteiligten sehr viel abverlangt hat, aber auch gezeigt hat, wie erfolgreich man gemeinsam mit der Szene einen solchen Preis entwickeln kann. Dies zeigt sich u.a. in der durchweg positiven Resonanz in den Medien, wo über den Deutschen Jazzpreis in über 2.000 Artikeln und Meldungen berichtet wurde – von spezialisierten Jazz-Blogs bis zu den Tagesthemen oder ARTE. Mittlerweile stecken wir bereits mitten in den Vorbereitungen für die zweite Ausgabe, die im April 2022 in Bremen zur jazzahead! stattfinden wird. Parallel zu den Vorbereitungen für den APPLAUS und Deutschen Jazzpreis laufen derzeit die Vorbereitungen für einen neuen Preis für Popmusik. Die dafür gegründete Akademie formiert sich zum Auftakt aus 25 namhaften Musikschaffenden und Kreativen. Gemeinsam mit der Akademie, die bald um weitere Mitglieder erweitert werden wird, werden wir den neuen Preis für Popmusik in den nächsten Monaten gestalten.

Was sind die nächsten Themen, die die Initiative Musik in den kommenden Monaten auf dem Schirm hat? 

Ina Keßler: Wichtig sind weiterhin bedarfsorientierte, pragmatische Erweiterungen und Anpassungen aus dem Rettungspaket NEUSTART KULTUR für 2022 mit allen Beteiligten wie Zuwendungsempfängern hinzubekommen. Die Umsetzung von NEUSTART KULTUR für 2022 wird nochmal ein besonderer Kraftakt für die Club- und Festivalbetreiber*innen und für alle Veranstalter*innen. Die Branche ist leider noch lange nicht über den Berg oder in der Lage optimistisch nach vorne zu sehen. Die ersten Veranstaltungen konnten jetzt wieder vorsichtig stattfinden. Das ist wichtig und toll! Wir müssen also weiterhin so flexibel wie irgend möglich reagieren.

Tina Sikorski: Für mich im Fokus stehen weiterhin die Awards, auf die ich ja schon eingegangen bin. Daneben gilt es, das Profil für unsere bundesweite Strukturförderung im Bereich Plattformprojekte weiter zu schärfen und unsere Angebote noch klarer zu formulieren. Unterstützen wollen wir in diesem Zusammenhang insbesondere regionale Initiativen und Netzwerke. Eine große und sehr relevante Baustelle ist für mich auch der Bereich Export. Hier führen wir derzeit eine Evaluation durch, bei der unterschiedliche Akteur*innen der Branche zu den aktuellen Bedürfnissen interviewt werden. Auf Basis unserer Ergebnisse wollen wir den Bereich weiterentwickeln und ausbauen und in diesem Zusammenhang neue Programme und Maßnahmen umsetzen. Das sind nur die wichtigsten Themen der nächsten Monate. Daneben gibt es zahlreiche weitere Überlegungen und Ansätze, die ebenfalls weiterentwickelt werden sollen und über die man dann in den nächsten Monaten evtl. schon berichten kann. Gleichzeitig gilt es, die Initiative Musik als Gesamtkonstrukt weiterhin so zu stärken, dass sie den zukünftigen Anforderungen gewachsen ist. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an und freuen uns auf alles, was kommt.  

Interview: Juliane Fiedler
Fotos: Stefan Wieland

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Tina Sikorski und Ina Keßler bilden seit einem Jahr eine Doppelspitze bei der Initiative Musik